ehe für alle! [ehe ich mich aufhebe...]


an der ehe für alle kommt man ja aktuell nicht vorbei. radio, internet und fernsehen sind voll davon. weil die gute frau merkel doch tatsächlich ihr striktes nein in ein vielleicht geändert hat.


ich bin (noch) mit einer frau verheiratet. fast. wenn man es genau nimmt, heißt das ganze nämlich nicht ehe, sondern eingetragene lebenspartnerschaft und somit bin ich verpartnert. bei bewerbungen überlegt man dann auch mehrfach, ob man beim familienstand "verheiratet" oder "eingetragene lebenspartnerschaft" hinschreibt. man will ja nicht lügen. die wahrheit ist so, als ob man auf seinem bewerbungsfoto eine regenbogenfahne in der hand hält, den zeige- und den mittelfinger spreizt und in dem so enstandenen dreieck durch die luft leckt.

die eingetragene lebenspartnerschaft zwischen zwei gleichgeschlechtlichen menschen ist gar nicht anders, als die ehe zwischen mann und frau. im besten fall liebt man sich, passt aufeinander auf, ist treu, teilt freud und leid. die sorgen des partners werden zu den eigenen. man arbeitet gemeinsam an einer zukunft, baut vielleicht ein haus oder kauft eine eigentumswohnung. man ist nicht nur teil der familie des anderen, sondern auch zusammen eine familie. man kann auch kinder adoptieren... äh. nein! da hörte bislang der ganze spaß mit der homoehe auf! wer eine familie mit kindern sein wollte, musste sich entweder einen samenspender suchen, oder eine frau, die das kind austrägt. auch steuerrechtlich brachte das ganze bis vor ein paar jahren keine gleichstellung zur ehe zwischen mann und frau.

selbst die scheidung wird anders bezeichnet. anstatt eines scheidungsantrages füllt man einen antrag zur aufhebung der lebenspartnerschaft aus. man hebt sich also auf, oder wie!? zeilenabstand, format und inhalt sind exakt wie die hetero-version. ich habe mir die extra mal ausdrucken lassen... für die sicherheit.


für alle, die sich fragen, warum ich immer noch nicht geschieden/aufgehoben bin: das dauert genauso lange wie damals die scheidung von der cousine deiner nachbarin! die hat sich ja von ihrem ehemann getrennt, musste ordnungsgemäß ein trennungsjahr einhalten und konnte dann erst die scheidung beantragen. es kostet auch genauso viel. man muss unzählige formulare ausfüllen, zeugnisse kopieren, nachweise erbringen und bekommt dann noch mehr formulare zum ausfüllen.

ersetzen wir also spaßeshalber mal ein paar eheliche worte mit "lebenspartnerschaft"...

lebenspartnerschafts-vertrag.
lebenspartnerschafts-ring.
lebenspartnerschafts-urkunde.
lebenspartnerschafts-krieg.
lebenspartnerschafts-bruch.

anstatt des scheidungsgesetztes würde dann wahrscheinlich das lebenspartnerschafts-auhebungs-gesetz gelten, das von einem lebenspartnerschafts-aufhebungs-richter ausgesprochen wird.

und ehe* man sich versieht... bemerkt man, wie lächerlich dieses "lebenspartnerschaft" vor diesen ganzen wörtern erscheint. (*muss ich hier eigentlich auch ein "lebenspartnerschaft" einsetzen?)

jeder sollte doch so leben können, wie er oder sie es möchte. und ich möchte nicht immer wieder politisch korrekt sagen müssen, dass sich gerade meine lebenspartnerschaft "aufhebt", sondern dass ich mich scheiden lasse. dass in zukunft auch nach den gleichgeschlechtlichen eheschließungen der nachname im kontakt geändert wird und man nicht nur unter dem mädchennamen im dorf bekannt ist. ja, auch das ist eine art von wertschätzung, zu der jeder einzelne beitragen kann!

weil eine ehe eine ehe ist.
weil liebe liebe ist.






ach so, frau merkel... falls sie das hier lesen sollten: weder mit einem nein, noch mit einem vielleicht, ist jemals jemand im hafen der ehe gelandet... darüber sollten sie sich mal gedanken machen. ehe* es zu spät ist.

Kommentare:

  1. Danke. Wir verstehen so oft nicht, weil wir nicht dahinter sehen.
    Man darf ja gerne eine eigene Meinung haben. Aber verstehen was abgeht, das wäre schön und vor allem für alle wichtig!
    Danke
    Herzlichst

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    1. Ja, es ist bzw. WAR für Außenstehende nicht so richtig verständlich. Weil wir ja so was ähnliches hätten... aber welche Konsequenzen das ganze mit sich führt, ist den meisten nicht klar.

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  2. Liebe Caro, super Kommentar!Besser hätt `Frau` es nicht sagen können!

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    1. Lieben Dank für deinen anonymen Kommentar... :)

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  3. Die Abstimmung für die Ehe für alle hat mich unheimlich glücklich gemacht. Nicht, weil es mich selbst betrifft - ich heirate dieses Jahr ganz langweilig meinen Freund -, sondern weil es ja mal wirklich Zeit für gleiche Rechte ist. Liebe ist doch was Schönes. Es sollte uns nicht kümmern, ob Mann nun Frau, Frau und Frau oder Mann Mann liebt. Und wer sich liebt und es will, soll wie wir Heteros auch heiraten dürfen. Mit allen Rechten, ohne Ausnahme. Es freut mich unheimlich, dass Deutschland dem einen Schritt näher gekommen ist.

    Viele Grüße von einer ehemaligen Gießenerin in England.

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  4. ein wahrer schlußsatz! damit hast du den nagel auf den kopf getroffen.
    ich habe vor 3 jahren wieder geheiratet - wegen versorgung und steuern und so -
    und soll ich dir was sagen: nur im jahr der heirat hat es uns einen steuerlichen vorteil gebracht. schon im jahr danach haben wir zusammen nicht mal so viel zurück bekommen wie ich früher alleine *WAS IST DENN DAS BITTE FÜR EINE STEUERERLEICHTERUNG?* *AUFREG*
    und dann musste für ne scheidung/aufhebung wieder blechen - ist doch so und so ein draufzahlgeschäft *lach*

    da waren die vielen jahre ohne schein viel besser. irgendwie weiß man doch auch so, dass man zusammen gehört.

    liebe grüße
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stell dir vor, mein blog wäre eine bühne... dann ist das hier das feld, wo du deinen applaus lassen kannst. :) lieben dank dafür!